Antrag: Bahnsteigdächer in Augsburg

Die Freien Wähler haben folgenden Antrag gestellt:

1. Die Bahnsteigdächer beim Augsburger Hauptbahnhof werden nicht wie geplant um ca. 40 % gekürzt. Die Bahnsteigdächer sollen weiterhin die ganze Bahnsteiglänge überdachen.

2. Das geplante Dachmodell „Zwiesel“ wird gegen das hochwertigere Modell „Hamburg“ ausgetauscht wird (siehe Bahnhof Ulm, Erlangen, Bamberg usw.)

Begründung:

Zu 1.: Im Rahmen des aktuell laufenden Umbaus werden die bestehenden Bahnsteigdächer durch neue, im Schnitt um 40% verkürzte Dächer ersetzt. Besonders die Bahnsteigenden, wo die Wagen der ersten Klasse zum Halten kommen, sind dann ohne Wetterschutz. Die südlichen Bahnsteigenden nutzen auch die meisten der Pendler nach München, damit sie dort im Kopfbahnhof nahe am Ausgang ankommen.
Der Bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart hat bereits vom Bund und von der Deutschen Bahn einen Erhalt des bisherigen Wetterschutzes bei den Bayerischen Bahnhöfen gefordert. Konkret wurde hier eine Änderung für die geplanten Kürzungen beim Bahnhof Kempten gefordert.
Die Situation der Bahnsteigplanungen für Augsburg ist jedoch im Vergleich zu Kempten unvergleichlich schlimmer, da
– der Bahnhof Augsburg von wesentlich längeren Zügen des Fernverkehrs angefahren wird
– in Augsburg hochwertige TGV, ICE, IC/EC Züge halten
– Augsburg ein wesentlich höheres Fahrgastaufkommen (ca. 45.000/Tag) hat
– die vorhandenen Fernbahnsteige bisher nahezu die ganze Bahnsteiglänge überdacht sind (außer an Gleis 1).

zu 2: Das Billigmodell Zwiesel bietet nur einen begrenzten Wetterschutz, was bei der Hochlage des Augsburger Bahnhofs, seinen schmalen Bahnsteigen und seiner schutzlosen Öffnung gegen die Hauptwetterrichtung Westen kaum einen Schutz bietet. Völlig absurd erscheinen dabei auch die offenen Lichtschächte über der neuen Bahnsteigunterführung, durch die Regen und Schnee in das Untergeschoß gelangen. Andere Stationen schützen die Treppenabgänge mit hohen Glaswänden und Einhausungen, für Augsburg reichen einfachste Stahlgeländer. Die gesamte Bahnsteigausstattung entspricht nur dem DB – Mindeststandard für Stationen der unteren Kategorien. (Selbst für Günzburg wurde ein hochwertigeres Dachmodell ausgewählt!).

Allgemein wird in unserem Rechtssystem bei Änderungen von einem Bestandsschutz ausgegangen. Die DB aber definiert den Bedarf der Reisenden nach völlig abstrakten, katalogisierten Kriterien und begründet so den Abbau von bestehender Infrastruktur. Allerdings, wie aufgezeigt, gibt es dabei viele nicht nachvollziehbare Ausnahmen.
Als absolute Vergeudung öffentlicher Mittel muss der geplante Abbruch der Bahnsteighalle an Gleis 1 gewertet werden. Diese Halle wurde erst in den 80er Jahren errichtet und lässt sich problemlos für die geplanten Aufzüge anpassen. Auch hier droht ein Ersatz durch das Primitivdach Zwiesel.

Antrag Bahnsteigdächer Augsburg_29.10.19